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Sollte der Papst zurücktreten?
Bei den lautwerdenden Forderungen nach einem Rücktritt des Papstes wegen des Missbrauchskandales geht es nicht darum, das Verkehrte wieder ins Rechte zu bringen. Man will einen Mann und eine Kirche mundtot machen. Die Versuche der Medien, diese Krise dem Vatikan in die Schuhe zu schieben, werden scheitern. Denn nicht der Mensch, sondern Gott hat das Sagen. Jesus sprach selbst: “Gesegnet seid ihr, wenn euch die Menschen allerlei Übles nachreden und wegen meines Namens verleumden.“
Papst Benedikt und die Katholische Kirche haben konsequent und beständig versucht, in unserer säkularen Gesellschaft ein biblisches Verständnis von Sexualität, Ehe und Familie zu vertreten. Diese Gesellschaft zeigt sich nicht nur tolerant, sondern feiert auch noch alle möglichen Sünden unter dem Mantel der Vielfalt. Die Medien werden es nicht bei der Verfolgung der Katholischen Kirche belassen, denn das endgültige Ziel ist die Zerstörung des Glaubens der Menschen an Gott. Zuerst griff man die Familie an – und nun den Glauben selbst.
Obwohl ich kein Katholik bin, habe ich den Papst zu verschiedenen Zeiten getroffen und jedesmal seinen Glauben bewundert. Dieser Glaube ist mehr, als nur ein Gefühl, sondern eine Überzeugung und Vollmacht in Wort und Tat. Damit hat er sich lebenslangem Hass und starker Opposition ausgesetzt. Trotzdem erwidert er Böses mit Gutem und vertritt einen Frieden durch Vergebung.
In seinem Brief an die Kirche von Irland bringt der Papst klar zum Ausdruck, dass er sich für die Vergehen seiner Kirche schämt und konkrete Schritte unternimmt, um die bekanntgewordenen Missbrauchsfälle zu adressieren. Er hat auch richtig bemerkt, dass mit der Ausnutzung des Skandals keinem der betroffenen Opfer geholfen ist.
Jesus verurteilt Sünde, doch dann verweist er auf Vergebung. Wahres Mitgefühl für ein Opfer bedeutet auch, dem Leidtragenden zu helfen, seinem Peiniger zu vergeben, damit das Leben weitergehen kann. Ohne diese Vergebung kann keine Heilung stattfinden.
Anstatt den Papst zu beschuldigen, sollten wir die Wurzeln für Sexualmissbrauch beim Namen nennen – eine Gesellschaft und Unterhaltungsindustrie, in der nichts mehr heilig ist, wenn es ums Geld geht.

 

Eine gekürzte Fassung dieses Artikels erschien zuerst in der New York Times.