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Ein Wort an die Väter
Ein Wort an die Väter
Jedes Jahr am 3. Junisonntag wird in vielen Ländern der Welt Vatertag gefeiert. Und nicht ohne Grund: Viele Probleme in unserer Gesellschaft können gelöst werden, wenn unsere jungen Männer bereit sind, gute Väter zu werden. Natürlich brauchen sie dazu Vorbilder! Als Väter müssen wir deshalb die besten Rollenvorbilder sein, besonders für unsere Söhne.
Ich liebte meinen Vater. Er hatte einen unglaublichen Sinn für Humor, aber er konnte auch streng sein und Grenzen setzen, die mir damals nicht immer in den Kram passten. Aber ich wusste immer, dass er mich lieb hat. Einmal – ich war acht oder neun – brachte ich ihn so in Rage, dass er drohte, mich zu bestrafen. Ich guckte in sein Gesicht und platzte ganz spontan raus: „Papa, es tut mir wirklich leid. Mach mit mir, was du willst – ich weiss ja, dass du mich trotzdem lieb hast.“ Zu meinem Erstaunen bückte er sich zu mir herunter und sagte nichts als: „Christoph, ich vergeb’ dir,“ und ich fühlte, dass das direkt aus seinem Herzen kam.
Viele Väter sind heute aus beruflichen Gründen oft längere Zeit von zuhause weg. So war es auch bei meinem Vater. Wenn ich damals als Fünfjähriger meiner Mutter nicht gehorchen wollte, brauchte sie mir nur das Bild meines Vaters zu zeigen „Das würde Papa nicht gerne haben,“ sagte sie – und ich gab nach.
Bei meinem Vater fühlte ich mich einfach sicher und geborgen. Als ich klein war nahm ich mir vor, so zu werden wie er, wenn ich einmal groß bin. Diese Beziehung half mir durch viele schwierige Zeiten, selbst nach seinem Tod. Heute versuche ich, dies meinen Kindern und Enkeln und euch allen weiterzugeben.
Väter, wenn ihr eure Frau und eure Kinder liebt, dann schenkt ihnen Zeit. Die Zeit, die ihr miteinander verbringt, wird eurer Familie mehr innere Sicherheit geben, als alle finanzielle Sicherheiten zusammen. Die chilenische Dichterin Gabriela Mistral schreibt „Viele Dinge können warten – Kinder nicht. Zu ihnen können wir nicht sagen ‚morgen’. Ihr Name ist ‚heute’.“
Die Liebe, die wir unseren Kindern zeigen, indem wir ihnen unsere Zeit und unsere Zuwendung schenken, kann noch Jahre später wichtig für sie sein. In seinem Buch Die Brüder Karamasow erinnert Dostojewskij uns daran: „Du musst wissen, dass es nichts Tragkräftigeres und Gesünderes für dein zukünftiges Leben gibt, als gute Erinnerungen, besonders Erinnerungen an deine Kindheit, an dein Zuhause ... Denn wenn jemand auch nur eine gute Erinnerung im Herzen trägt, kann allein schon dies ihn vor dem Bösen bewahren.“
Vater zu sein, ist eine besondere Berufung. Aber Vaterschaft ist nicht für jeden etwas: sie ist nichts für Feiglinge oder für Männer, die sich ihrer selbst nicht sicher sind. Wenn du einmal Vater bist, bist du Vater bis an dein Lebensende. Ein echter Vater muss führen können – wie ein Kapitän, der sein Familienschiff durch gefährliche Wasser an sichere Küsten lenkt, wie ein General, der seine Truppen dazu führt, den täglichen Kampf aufzunehmen.
Andererseits sollte ein Vater auch Vorbild sein für Liebe und Mitleid. Jesus war sich nicht zu gut dafür, sich mit einer Henne zu vergleichen, die ihre Küken unter die Flügel nimmt. Er konnte auch weinen. Das alles gehört zu einer echten Männlichkeit, und ein echter Vater wird sich das zum Ziel setzen.
Schließlich glaube ich, dass ein Vater selbst mit den besten Absichten nicht dazu fähig ist, seine Aufgaben zu erfüllen, wenn er nicht von einem festen Glauben an Gott getragen wird. Ist das der Fall, so wird das eine Stärkung sein für unsere Familien und für unser ganzes Land, denn stabile Familien sind das Rückgrat unserer Gesellschaft.