OBAMA IN OSLO
Johann Christoph Arnold
11. Dezember 2009
Obama’s Ehrenrede anlässlich der Nobelpreisverleihung fand ich enttäuschend.
Er verpasste eine Gelegenheit, Mut und wahre Führungskraft zu zeigen. Es stimmt, diese Auszeichnung wurde ihm zuerkannt, er hat sich nie darum beworben. Das Nobelpreiskomitee begründet auch seine Entscheidung damit, dass diese Anerkennung diesmal mehr für einen Richtungswechsel anstatt für ein konkretes Engagement für den Frieden zugesprochen wurde. Leider entgeht der Kommission die Ironie, diesen Friedenspreis einem Präsidenten zu verleihen, der gerade zwei Kriege führt.
Es war schon schön, dass Herr Obama seine Vorbilder Mohandas K. Gandhi und Martin Luther King in Erinnerung gebracht hatte. Er sagte zu Recht, dass er ohne ihre Vision und innere Klarheit nicht auf dem Podium in Oslo stehen würde. Doch er verfehlte zu erwähnen, dass beide für ihre Überzeugungen ihr Leben geopfert haben. Das ist wahre Führung.
Es gibt, so wie es der Präsident sagte, tatsächlich das Böse
in der Welt. Doch er lag falsch, als er behauptete, dass Hitler und sein Heer
von keiner gewaltlosen Bewegung gestoppt worden wären. Es ist genau dieses Denken, mit dem sich Nationen anmaßen, „gerechte Kriege“ zu führen. Jede Art von Krieg ist verkehrt. Es gibt einen besseren Weg. Deshalb ist es wichtig, dass Staatsoberhäupter lernen, die Kraft der Gewaltlosigkeit zu verstehen.
Die Geschichte hat bewiesen, dass zum Beispiel durch
die Geduld und Ausdauer von Gandhi und seiner zahlreichen Anhänger die mächtige
Britische Armee aufgehalten wurde. Später war sie sogar zum Abzug aus Indien
gezwungen. Dafür zahlte Gandhi persönlich den schwersten Preis. Er wurde geschlagen,
inhaftiert und ging in viele Hungerstreiks, die ihm beinahe das Leben kosteten.
Durch sein aktives Eintreten für Liebe, Vergebung und Gewaltlosigkeit widerstand Martin Luther King dem verbissenen Hass derer, die der menschenverachtenden Ideologie weißhäutiger Vorherrschaft verfallen waren. Auch er erlitt Schläge und Gefangenschaft. Selbst als er erstochen wurde, sann er nicht auf Verteidigung und Vergeltung. Somit weckte er Hoffnung und gab millionen von Menschen eine Vision, welche die ganze Gesellschaft der Vereinigten Staaten gravierend veränderte.
Als Jugendlicher hatte ich das Privileg, mit Martin
Luther King in Selma (Texas) zu marschieren. Ich konnte selbst miterleben,
welch ein Vermächtnis der Gewaltlosigkeit King uns hinterlassen hat. Letztlich
sind King und Gandhi für ihre Überzeugungen getötet worden. Am Abend vor seiner
Ermordung sagte King: “Ich habe den Gipfel erstiegen! Ich sah die Herrlichkeit
des Herrn, und ich fürchte mich nicht!“
Beide, Gandhi und King, schöpften ihre Kraft von einem tiefen Glauben an Gott. Ohne diesen Glauben wird Gewaltlosigkeit scheinbar nie möglich sein. Nur wenn wir dieses feste Vertrauen haben, werden wir in der Lage sein, verbitterte Gegner wie Al-Kaida und ähnliche Gruppen zu überwinden, die keinen Regeln oder Gesetzen folgen.
Dostojewski schieb: “Manchen Gedanken steht man ratlos gegenüber – besonders im Bezug auf die Sünde des Menschen. Man fragt sich, ob man ihr mit Gewalt oder demütiger Liebe begegnen sollte. Wähle immer den Weg der demütigen Liebe! Wenn du dich ein für allemal dafür entscheidest, kannst du die ganze Welt bezwingen. Liebevolle Demut ist unglaublich stark. Sie ist das Gewaltigste überhaupt und es gibt nichts vergleichliches.“
Gewaltlosigkeit ist das schwerste Geschütz, das wir
im Kampf gegen das Böse aufzubieten haben. Möge Gott allen Regierenden, vorallem
aber Präsident Obama, die Kraft und Weisheit geben, diese Wahrheit mit Herzen
und Händen zu erfassen und nach ihr zu handeln.