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Carole
Weshalb der Papst?

19. März 2010

Die jüngsten Versuche, nun auch Papst Benedikt XVI. in die Missbrauchskandale an katholischen Schulen in Deutschland zu verwickeln, sind falsch und zerstörerisch. Als Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche hat der Papst zwar eine gewisse Verantwortung für das Verhalten an den ihm unterstellten kirchlichen Institutionen. Aber diese Kampagne von Presse und einer kirchenfeindlichen Linken ist keineswegs so gerecht wie sie sich gibt. Mit diesem üblen Trick untergräbt man eine der letzten gesellschaftlichen Stützen, die trotz aller Mängel und Schwächen immer noch offen für Ehrfurcht, Respekt und Anstand einstehen. Das Hauptziel dieser Angriffe besteht darin, Gott aus dem öffentlichen Leben zu verbannen und alles, was gut ist, in den Dreck zu ziehen. Bei vielen dieser Meldungen standen auch ganz deutlich Profitgier und Sensationslust im Vordergrund.

Als Pastor einer christlichen Gemeinschaft habe ich natürlich in Bezug auf die katholischen Dogmen einige Vorbehalte. Der Missbrauch Minderjähriger durch katholische Priester ist eine wahre Schande, und ich kann das Entsetzen verstehen, das viele empfinden, wenn jahrelang bewusst Verschwiegenes plötzlich ans Licht kommt. Aber Kindesmissbrauch ist kein katholisches Problem. Es das Problem einer Gesellschaft, die nach dem Trugbild sexueller Freizügigkeit jagt, das ständig von der Mode- und Unterhaltungsindustrie genährt wird. Wir haben scheinbar alle den Willen verloren, unserem Gewissen zu gehorchen, das uns als moralischer Kompass zu rechten Entscheidungen verhilft und niemals in die Irre führen wird. Jesus sagte, dass, wenn jemand ein Kind verführt, es wäre besser für ihn mit einem Mühlstein um den Hals ertränkt zu werden. Doch er fordert auch alle auf, die ohne Sünde sind, den ersten Stein zu werfen.

Johann Christoph Arnold und
Papst Benedikt XVI

In den letzten zwei Jahrzehnten habe ich Papst Benedikt bei verschiedenen Anlässen getroffen. Ich habe in ihm einen gottesfürchtigen Mann kennengelernt, dessen einziges Verlangen darin besteht, Jesus und seinen Nachfolgern zu dienen. Ich spürte in ihm die ehrliche Überzeugung, die von einem tiefen Glauben herrührt. Aufgrund dieser Überzeugung wurde er von vielen als „Konservativer“ abgestempelt und verachtet, was nicht überrascht. Jesus selbst hat vorhergesagt, dass die Seinen immer gehasst werden würden. Das sollte uns nicht entmutigen, sondern umso mehr darin bestärken, für den Papst zu beten, dass er weiterhin Böses mit Gutem vergilt.

Als Sechs- oder Siebenjähriger bin ich selbst in der Schule von Erwachsenen, denen ich vertraute, misshandelt worden. Jahre später arbeitete ich an meinem Buch Wer vergibt, heilt auch sich selbst (Neuauflage: Kreuz-Verlag, Herbst 2010, bisher im Herder-Verlag erschienen) und befragte zahlreiche Leute, die schrecklichste Misshandlungen überlebt haben. In jedem der Fälle konnten diejenigen Heilung erfahren, die ihren Peinigern vergeben hatten. Zu diesem Entschluss bin ich selbst auch gekommen.

So sehr ich Schmerz und Bitterkeit nachempfinden kann, die zu den Anklagen führten, bezweifle ich dennoch, dass die Opfer im Gerichtssaal Frieden und Heilung finden werden. Ein Sündenbock ist immer leicht zu finden, aber nur Vergebung kann wirklich heilen, was zerbrochen ist.